Krukkikurs 2007

Der Palio

Februar 18, 2009 · Kommentar schreiben

Der Palio spielt im Leben der Sienesen eine wichtige Rolle, was liegt also näher als sich auch im Unterricht damit zu beschäftigen. Michele hat uns deshalb in der letzten Stunde einen Einblick in die Tradition des sienesischen Pferderennens „Palio“ ermöglicht. Hier findet ihr seinen Text.

 

Palio

Palio

Der Palio

 

Es gibt sehr viel zu sagen über den Palio, dem berühmten Sieneser Pferderennen und italienischen Traditionsfest. Man weiß mit Bestimmtheit, dass das Fest schon vor 1310 existierte, alljährlich wird es am 16. August zu Ehren der Heiligen Jungfrau ausgetragen . Das Rennen am 2. Juli, zu Ehren der Madonna di Provenzano, wird erst seit 1656 veranstaltet.

Der Name Palio kommt aus dem lateinischen Pallium, das bedeutet Tuch; heutzutage ist mit dem Palio eigentlich die Siegestrophäe gemeint.

Beim Palio treten die siebzehn Contraden der verschiedenen Stadtbezirke Sienas gegeneinander an. Die Namen der Contraden wurden um 1370 festgelegt. Abgesehen von wenigen Ausnahmen – „Torre“ (Turm) und „Onda“ (Welle) – handelt es sich fast ausschließlich um Tiernamen wie Adler, Panther, Wölfin, Gans, Schildkröte.

Der Palio ist eines der härtesten Pferderennen der Welt, denn die Reiter, die dreimal mit den Pferden das ansteigende und abfallende Oval des Platzes umrunden müssen, riskieren auf dem Campo Kopf und Kragen, ohne Sattel nur mit Zügel und Gerte, kleben die Jockeys auf dem Pferderücken.

Pro Rennen sind immer nur 10 der 17 Contraden zugelassen, das sind immer die 7 Contraden, die im Vorjahr beim entsprechenden Rennen aussetzen mussten und 3 Contraden, die durch das Los bestimmt werden (4 Wochen vor dem Start). Die beiden jährlichen Rennen werden unabhängig voneinander betrachtet.

Die Pferde werden am Vortag des Palios unter Aufsicht des Bürgermeisters auf dem Rathausplatz ausgelost. Auch die Reiter sind keiner der Contraden zugehörig. Diese Jockeys werden gemietet und erhalten ihre Honorare vom jeweiligen Capitano der Contrade.

Am Abend vor dem Palio veranstalten die teilnehmenden Contraden auf ihrem Hauptplatz ein Festmahl, zu dem sich alle in fröhlicher Runde einfinden und letzte Absprachen getroffen werden. Entweder bestehen berechtigte Hoffnungen den Palio zu gewinnen oder man muss wenigstens den Sieg der feindlichen Contraden behindern.

Am Rennmorgen kommen Pferd und Reiter zur Einsegnung in die Contradakirche und ab 15 Uhr beginnen sich die Contrademitglieder für den historischen Festumzug am Domplatz zu sammeln. Die farbenprächtige „Passeggiata Storica“ wird von mittelalterlich gekleideten Fahnenschwingern, Trommlern und Pfeifern begleitet und erreicht am Ende einen überfüllten Campoplatz.

Für die Rennbahn wird rings um die abschüssige Piazza del Campo eine Mischung aus Tuff und Sand 20 cm. hoch aufgeschüttet und auf 7,5 m. Breite festgestampft.

Nach dem Einzug der Contraden sorgt der Startmeister (mossiere) dafür, dass die Pferde die korrekte Startposition einnehmen. Der Start erfolgt an der Startleine (canapo). Aufgrund der drangvollen Enge auf dem Platz und der allgemeinen Spannung ist das mehr als schwierig und so kommt es regelmäßig zu Fehlstarts.

Nach dem Start geht das Rennen dreimal um den Platz. Hierfür brauchen die Reiter auf Ihren Pferden in der Regel ca. 100 Sekunden. Gewinnen hat

das Pferd, mit oder ohne Reiter, welches nach der letzten Runde als erstes die Ziellinie überquert. Nach dem Sieg bekommt die siegreiche Contrada den Palio.

Heute spielen die Contraden eine zentrale Rolle im Leben der Stadt, und die Zugehörigkeit zu einer Contrada ist für jeden Sienesen eine Selbstverständlichkeit, als Contradaiolo wird man geboren und bleibt es, selbst wenn man wegziehen sollte, bis zum Lebensende.

 

Michele

Weitere Informationen gibt es hier

Fachausdrücke rund um den Palio

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